Gesehen: Bruderschaft

Das Regiedebut des dänischen Regisseurs Nicolo Donato erzählt von der homosexuellen Liebe zweier Neonazis. Lars, der für einen vermeidlichen Flirt mit einem Kameraden aus der dänischen Armee entlassen wird, stösst nach anfänglichem Zögern zu einer Vereinigung, die sich dem Erhalt der weißen Rasse verschrieben hat. Dort trifft er auf den Einzelgänger Jimmy, der ihm erst skeptisch gegenüber steht. Ausgerechnet dieser soll den Neuling, der seinem Bruder den Platz als stetiges Mitglied streitig macht, in die Ideologie der Gruppe einweisen. Doch in der Abgeschiedenheit des Strandhauses, das sich die beiden zu diesem Zweck teilen, kommen sie sich erst freundschaftlich und schließlich liebend näher.

Spätestens nach einer Flugblattaktion mit dem Motto “So und so viele K****en kosten den dänischen Staat so und so viele Kronen, eine Kugel kostet nur eine Krone”, zu der Lars den Wortlaut liefert, ist die Suche nach Sympathietragenden oder einem anderen Identifikationspunkt vorbei. Dass “Bruderschaft” trotzdem einer der spannendsten Filme ist, die ich seit langem gesehen habe, liegt an dem Konflikt, der zwischen verbotener sexueller Orientierung und Rassenideologie nicht größer sein könnte. Es ist schwierig zu sagen, was den Film beklemmender macht: die schonungslosen Einsichten in den Alltag einer Neonazigruppe oder die sich steigernde Gewissheit dessen, was die beiden im Falle ihrer Enttarnung erwartet. In fast unerträglich ruhigem Ton und klaren Bildern erzählt der Film von Männlichkeitskult und Homophobie und von Hass und Liebe. Und so kommt es  schließlich, wie es kommen muss – weil einer der beiden nicht entschlossen genug ist, um rechtzeitig auszusteigen.

Mein Fazit: unbedingt sehenswert – wie auch der Rest des Filmprogramms von Queergestreift, dass noch bis zum 13. März im Konstanzer Zebrakino gezeigt wird.