Coffee, tea or me? Oder warum manche Klischees einfach nicht aussterben wollen.

31. Januar – genau das richtige Datum, um zu überlegen, was mir das vergangene Jahr alles gebracht hat. Durch meinen Job als Flugbegleiterin: viel Arbeit, viel Geld (das ausnahmsweise mal auf dem Sparkonto gelandet ist) und jede Menge entnervende Werbung auf meinem Arbeitsweg. 146 Tage habe ich dieses Jahr gearbeitet, das heisst, grob über den Daumen gepeilt bin ich 60 mal von Konstanz zum Zürcher Flughafen und zurück gefahren. Davon bin ich ein halbes Jahr lang an dieser Werbung hier vorbei gelaufen. Das ist auf so vielen Ebenen dröge, dass ich eigentlich keine Lust habe, viel zu analysieren. Um es kurz zu machen: Frau (hier in der wenig facettenreichen Form eines bestimmten, mit etlichen Phantasievorstellungen aufgeladenen, typischen Frauenberufs) = Ware, Mann (der vermeintlich schon dank seines Berufstandes das Privileg hat, aus einen grossen Pool an attraktiven Frauen zu wählen) = Konsumierende_r. Die Querverbindung sollte klar sein: im Airportcenter am Flughafen Zürich haben die Konsumierenden so viel und so lange die volle Warenauswahl wie ein Pilot auf Brautschau bei den Stewardessen (und ja, genau das ist mit ein Grund dafür, warum die Bezeichnung heute nicht mehr Air-Hostess/Stewardess, sondern Flight Attendant/Flugbegleiterin  lautet – heute werden nämlich nicht mehr die Männer, sondern die Flüge begleitet). Die Zeiten, in denen die Stewardess ein Produkt war wie die Seife auf der Toilette (wie ein Artikel im Fakts 06/2001 so uncharmant, aber treffend bemerkt) oder Heirat und Schwangerschaft ein Kündigungsgrund und Unterwäschekontrollen an der Tagesordung,  sind zum Glück vorbei. Schade ist nur, dass  diese Neuigkeit den Flughafen Zürich noch nicht erreicht hat. Gerade als ich dachte, jemand sei auf den Trichter gekommen (die Werbung wurde dann irgendwann von einem schwungvollen Frauenbein ersetzt) hat Sexismus allein zum bewerben des (zugegebener Massen reichhaltigen) Warensortiment des Airportcenter  nicht mehr ausgereicht – noch origineller konnte nur  Rassismus sein. Geschmackloser Weise bekommt jede_r, der/die im Foodland (das übrigens auch ziemlich gross ist und täglich jede Menge Tabletts herausgibt) etwas zu essen bestellt, das Foto als Tablettauflage unter den Teller – damit die für den eigenen  “Geschmack” gleich aus nächster Nähe begutachtet werden kann. Und weil ich unlängst auf Twitter gefragt wurde, was denn daran rassistisch sein soll, erkläre ich auch das noch mal gerne: mit der Querverbindung vom Leibgericht zur favorisierten weiblichen Ethnie wird nicht nur das Geschlecht, sondern gleich noch die Ethnie mit fetischisiert.

Wenn mensch sich bewusst wird, welche Agentur seit neustem für die Anzeigen des Airportcenter im Flughafen Zürich verantwortlich ist, wird so manches klar. Dass die Agentur an der Limat in Sachen Geschlechterfragen noch nicht im 21. Jahrhundert angekommen ist, wird keine_n überraschen, der/die ihre Anzeigenpraxis kennt. Dass das auch auf den  Flughafen in einer Stadt zutrifft, die eine hervorragende Homepage in Sachen sexistischer Werbung hat, ist dagegen ziemlich erbärmlich. Angeblich soll hier durch die optische Anlehnung an  einen Baggage-Tag als “sujetübergreifendes Element (…) der Bezug zur Welt des Fliegens gemacht” werden. Stattdessen bedient sich die neue Werbeagentur des Flughafen Zürichs am Relikt der immer zur Verfügung stehenden Frau, um den Umsatz zu steigern.  Und was für ein Berufsstand würde sich an einem Flughafen besser dafür anbieten als der der Flugbegleiterin, der dank der endlosen Fortschreibung von Geschlechterstereotypen sein Hostessen-Image wohl nie verlieren wird.

Und um nicht nur auszuteilen, muss auch ich zu meiner Schande gestehen, dass ich es selber ein geschlagenes Jahr lang nicht geschafft habe, mich darüber an offizieller Stelle zu beschweren – und das, obwohl auch dieses wie und was auf der Homepage ganz explizit und einfach erklärt wird. Da  meine Vorsätze für das folgende Jahr  meistens nicht über das Vorsatzstadium hinauskommen, hab ich jetzt zumindest einen, den ich wirklich  in die Tat umsetzen sollte.